Heute ist Sonntag. Vor einer Woche habe ich gerade gepackt und war in
totalem Reisefieber. Nun bin ich den 6. Tag hier, es reiht sich ein Erlebnis
nach dem anderen. Heute ein Ausflug nach Holeta zu Asni‘s (Franks Frau)
Eltern und Geschwistern geplant.
Die Fahrt raus führt in die Randlagen von Addis, durch ein Naturschutzgebiet und ein gutes Stück raus. Doch der Reihe nach:
Addis Abeba wächst, und das ziemlich schnell. Dort wo vor wenigen
Jahren noch Bäume standen sind heute Straßen, Wellblechhütten und sozialer
Wohnbau. Überall Bautätigkeit, wo man geht und steht. Man muss fast aufpassen
nicht eingemauert zu werden, so schnell geht das! Die Müllkippe von Addis
Abeba war mit Sicherheit mal außerhalb der Stadt, jetzt stehen Häuser bis an
die Müllkippe heran und nach der Müllkippe folgen wieder Wellblechhütten und
Bebauung. Auf der Müllkippe sehe ich Müllmenschen, sie trennen den Müll und
leben von dem was andere wegschmeißen. Da die Menschen in Addis Abeba aber
überwiegend nicht reich sind dürfte das schon nicht üppig sein.
Auch auf der Müllkippe sehe ich große Vögel, der Name mag mir nicht einfallen, aber ich habe sie im Kölner Zoo schon mal gesehen. Hässliche Teile auf jeden Fall.
Noch mitten in Addis Abeba hört plötzlich die Straße auf. Ein
Kreisverkehr ist einfach nicht fertig gestellt, alle 4 Straßen die dort hin
führen sind gut geteert, bloß der Kreisverkehr… Er ist dermaßen holprig, dass
ich mit meinem Polo wahrscheinlich nicht durch käme.
Kurz bevor wir Addis Abeba verlassen durchqueren wir ein offensichtlich von Moslems bewohntes Viertel. Kleidung und Aussehen der Leute und die Präsenz von kleinen Moscheen weisen darauf hin. Im direkten Umfeld von Addis ist alles ziemlich kahl, dort befanden sich mal Eukalyptusbäume. Eukalyptus ist ein hartes und zähes Holz, es wird u.a. für Baugerüste, als Bauholz und als Brennmaterial verwendet. Die große Bautätigkeit verlangt nach Baugerüsten, die Leute verdienen sich gern den ein oder anderen Birr und so werden die Bäume halt kurz gemacht. Und das in einer solchen Menge, dass es gar nicht so schnell nach wachsen kann.
Nach einigen Kilometern wird es grüner, hier beginnt der Menengescha
Nationalpark. Frank bedeutet mir die Augen offen zu halten, hier bekommt man
mit etwas Glück Affen – Meerkatzen und Paviane - zu Gesicht. Wir hatten das
Glück leider nicht. Vermutlich weil wegen Sonntag doch einige Leute unterwegs
sind.
Nach einer Weile Fahrt kommen wir durch mehrere Dörfchen, an etlichen
neu erstellten Lagerhallen und an großen Blumenaufzuchthallen vorbei nach Holeta.
Kurz vorher zeigt Frank mir ein „Neubaugebiet“ und lacht. Auf einer Wiese
stehen ein paar wenige kleine Hütten. Ein merkwürdiges Bild, so völlig
unerwartet und ohne Schutz stehen die Häuser da.
Holeta ist ein Dorf mit ein paar tausend Einwohnern, Franks Einsatzort
und Asni‘s Geburtsort. Viele Menschen aus dem Dorf arbeiten in der
Blumenaufzucht und als Arbeiter für das Militär und das College. Es macht
einen lebendigen Eindruck, ein Geschäft reiht sich an das nächste.
Wir treffen bei den Eltern ein. Das kleine grün gestrichene Haus sieht von vorne recht schmal aus. Laut Frank ist dies eine Mittelschicht-Behausung. Noch als wir aus dem Auto aussteigen kommt ein junger Mann durch das Gartentor – einer der Brüder von Asni. Frank lädt Gepäck aus – Kleidung für alle aus einer Kleiderspende und einen Kinderwagen für das Jüngste von einem Bruder. Wir werden zusammen in das Haus gebeten. Natürlich begrüßen die Eltern ihre Tochter sehr herzlich, Frank als ihren Schwiegersohn ebenso aber auch ich werde sehr freundschaftlich begrüßt.
Zur Begrüßung in Äthiopien: Im Gegensatz zu Deutschland wo es entweder
den höflichen Händedruck oder gleich die völlig übertriebene Umarmung gibt
sind die Äthiopier recht differenziert: Auch hier gibt es den höflichen
Händedruck, der ganz fremd eher als Berührung der Handflächen ausfällt und
bei etwas Bekanntschaft fester ausfallen kann. Wer noch mehr Bekanntschaft
pflegt, der legt die zweite Hand auf die gedrückten Hände, bei noch mehr
Bekanntschaft rückt die zweite Hand hoch zur Schulter. Das kann man noch mehr
steigern, jetzt kommen wir schon zum Freundschafts- oder herzlich
Willkommensstatus: Männer schlagen die Hände ein und die rechten Schultern
berühren sich. Man klopft sich auf die Schultern. Wenn’s dann noch mehr sein
darf, dann berühren sich die Köpfe seitlich, die allerhöchste Würde empfängt
man, wenn die Gesichter im Halsbereich an der Seite vergraben werden. Frauen
geben sich Küsschen auf die Wange, je mehr desto doller. Asni und ihre
Jugendfreundin kamen auf 5 oder 6 Küsschen. Asni und ihre Mutter haben auch
einige Küsschen auf die Wange gewechselt und am Schluss eben auch die ganz
intime Begrüßung, das Vergraben des Gesichts im Halsbereich seitlich mit Kuss
an den Hals.
Ich werde sofort akzeptiert, die Verständigung funktioniert nur über Asni, die alles dolmetschen muss, weil alle nur Amharisch sprechen. Im „Wohnzimmer“ kommen wir zusammen.
Wohnzimmer: Nun ja, der Raum misst etwa 3x4m. Er hat eine Tür nach
draußen und einen Durchgang zu einem Flur zu weiteren Räumen, die mir aber
vorenthalten bleiben, der Durchgang ist mit einem Vorhang bedeckt. Kein
Fenster. Die Wand ist ziemlich uneben, ich kann das Material nicht bestimmen,
komplett gelb lackiert. In dem Raum – wohlgemerkt etwa 3x4m – befinden sich:
Ein Tisch mit 6 Stühlen, ein 3er- und ein 2er-Sofa, ein Sessel, ein
Couchtisch, ein sehr einfaches Sideboard mit dem Kaffeeservice drin, ein
Schränkchen mit einem Fernseher drauf. Der Fernseher läuft, aber das
interessiert keinen direkt. Wichtig ist aber dass er läuft. An der Decke
hängt eine Lampe mit einer Energiesparbirne. An den eher kahlen Wänden fällt
sofort ein Plakat auf: Jesus never let you alone. Schon bei der Begrüßung
tauchen Nachbarkinder auf, die bekommen jeder eine Mini-Tüte Haribos. Nach
und nach kommen immer mehr junge Männer herein, alle Asnis Brüder. So wird
die Bude doch ziemlich voll. Wir sitzen noch nicht ganz, dann haben Frank und
ich schon Bier in der Hand, St. Georg-Bier. Asnis Mutter fängt umgehend mit
der Kaffeezeremonie an, der erste Schritt besteht aus dem Rösten des Kaffee.
Der Holzkohleofen wird in eben dem Wohnzimmer aufgestellt. Ich mache mir
eigentlich ein wenig Sorgen wegen Sauerstoff und Kohlenmonoxyd und so, aber
da alle anderen ziemlich sorglos sind überlasse ich mich einfach meinem
Schicksal und hoffe, dass ich nicht als erster ersticke und mich ggf. mit
einem beherzten Satz nach draußen retten kann. So weit kommt es aber gar
nicht, der Ofen stellt wohl kein Problem dar. Die Kaffeebohnen werden langsam
braun und landen danach in einer Pfanne. Plötzlich heißt es Mittagessen.
Schwuppdiwupp stehen Injera mit 4erlei Zutat auf dem Tisch. Es wird eine
Schüssel und eine Kanne Wasser vom jüngeren Bruder herumgereicht, vorm Essen
wird die rechte Hand gewaschen. Der
Vater und Patriarch bekommt als erster Essen, dann die Gäste. Frank ist etwas
ranghöhere männliche Gast, dann ich, dann Asni und dann die Söhne in der Altersreihenfolge.
Allerdings passen nicht alle an den Tisch, also isst erstmal nur der älteste
anwesende Sohn mit. Nachdem wir fertig gegessen haben können die anderen
essen, die Mutter isst als letzte. Injera wird auseinandergezupft und mit den
abgezupften Teilen werden die Zutaten gegriffen und zum Mund geführt,
natürlich mit der gewaschenen rechten Hand. Irgendwie versinke ich im Chaos und
bevor mein ganzer Injera-Fladen in der Beilagensoße untergeht erhalte ich den
guten Tipp, die Injera-Rolle mit der Linken zu halten, von dort abzureißen
und die Beilagen, die auf einer Grundplatte Injera liegen, aufzuheben. Die
Grundplatte matscht durch, aber das ist normal. Die Finger bleiben zumindest
relativ sauber.
Nach dem Essen geht es zurück an den Couchtisch, der Kaffee wird
fertig. Frank verrät mir, dass hier der beste Kaffee auf uns wartet. In der
Tat erhalte ich eine kleine Tasse mit etwa 1,5 Teelöffeln Zucker gesüßten
Kaffee aus dem Tonkrug. Es ist eine fast cremige schwarze Flüssigkeit,
überhaupt nicht bitter und mit leichter Zimt-Note. Gerne nehme ich nach, sehr
zum Vergnügen meiner Gastgeberin.
Nach der zweiten Tasse lädt Frank mich ein, seinen Arbeitsplatz nicht weit von Asnis Elternhaus zu besuchen. Gerne lasse ich mich in sein reich entführen. Als Netzwerker, Techniker und Dozent hat er ein Büro auf dem Campus des College, das zur Bildung von Studenten aber auch zur Fortbildung von Technikern dient. Es werden alle möglichen Techniksparten gelehrt: Kfz-Technik, div. Handwerke, Telekommunikation. Auf dem Campus befinden sich Wohnbereiche von Angestellten aber auch Studentenwohnheime, Mensa, Küche und ein Bauprojekt von Frank, eine Bibliothek. Alles ist eingebettet in eine Park- und Heideähnliche Landschaft, es ist heute auf Sonntag recht ruhig. Auf dem Gelände sehe ich wilde „Unzertrennliche“ (Agaporniden) sowie einen weiblichen Kolibri (Die eben grauschwarz gefiedert sind im Gegensatz zu den bunten Männchen). Nach dem Rundgang fahren Frank und ich mit dem Jeep noch einen Bogen durch das Dorf. Auch hier wie in Addis Abeba ein Geschäft nach dem anderen, in zweiter Reihe jede Menge Wohnhäuschen (Baracken aus Wellblech, aber auch Lehm- oder Steinbauten), einen Marktplatz mit Ständen aus Eukalyptusstangen, die heute leer sind. Markt ist immer nur Di und Do.
Am Ende des Dorfes sehen wir nochmal eine Blumenaufzuchtstation. Wir
kehren nochmal kurz bei Asnis Eltern ein um aber gleich darauf die Rückfahrt
nach Addis Abeba zu beginnen. Kaum haben wir Addis verlassen fallen die
vielen Menschen am Straßenrand auf, fast alle haben gelbe oder orange
Kanister dabei. Einige laufen unbeschwert in unsere Fahrtrichtung, die, die
uns entgegenkommen schleppen offensichtlich schwerer. Sie sind auf dem Weg
oder kommen von einer Wasserstelle. Die ist nicht mal eben um die Ecke, es
sind gefühlte 2 km dort hin. Frank erläutert, dass in der Woche nochmal deutlich
mehr Menschen die Straße säumen, sie laufen zur Arbeit in die Blumenhallen,
vielleicht 4 – 5 km entfernt. Überhaupt, die Äthiopier gehen meistens, bei
den geringen Löhnen sie können nicht einmal die Buspreise bezahlen, zumindest
nicht regelmäßig.
Auf dem Rückweg über den gleichen Weg wie hin sehen wir leider wieder
keine Affen. Das und andere Sachen holen wir später nach, wenn wir an einem
anderen Tag Ausflüge ins offshore machen.
Ein erlebnisreicher Tag.
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Montag, 2. Dezember 2013
01.12.2013, Ausflug nach Holeta
Fortsetzung Entoto
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Der Minibus kann nur im ersten Gang fahren. Der Bus muss einige Serpentinen
hochfahren und bietet einige tolle Ausblicke auf die Stadt. Die Straße ist
gefüllt von Menschen, die in den umliegenden Eukalyptuswäldern die
vertrockneten Blätter aufgesammelt und als Brennstoff in der Stadt verkaufen
wollen. Einige Frauen tragen auch schwere Rollen aus Zweigen auf dem Rücken,
die Rollen sind durchaus 2,5 m breit.
Oben steht die Kirche Entoto Maryam Church. Sie war wohl Sitz von Kaiser
Menelik. Ganz nett anzusehen aber für meine Begriffe wird dort oben für
Äthiopische Verhältnisse ein deutlich zu hoher Eintritt verlangt, zumal ich
das Museum nicht unbedingt sehen möchte. Es dreht sich dort darum, dass
Kaiser Menelik II einen Herrschaftssitz hatte, seine Frau wollte runter ins
Tal, was der Beginn der Stadt Addis Abeba war.
Ein kurzes Foto von der neben dem Palast stehenden 8-eckigen Kirche und dann gehen wir etwas an der asphaltierten Straße weiter. Der Verkehr beschränkt sich auf einige Fußgänger. Selbst hier oben versuchen die Leute noch irgendwas zu verkaufen, meist Obst oder Gemüse, aber auch Plastikeimer, Tücher, oder Kaffee. Die Behausungen sind ärmlich, meist aus Wellblech, aber auch einige aus Lehm. Dafür haben die meisten Bewohner dort Gärten, in denen sie versuchen irgendwas anzupflanzen. Wir kommen an einem Feld vorbei, das Getreide sieht fast aus wie Gerste, das ist Teff, woraus ja Injera hergestellt wird. Thuja und eine kamilleähnlich duftende Pflanze fallen mir noch auf. Am Ende sehen wir die Kirche St. Raguel, auch hier wollen die Leute heftigen Eintritt haben. Der Tourismus macht die Preise kaputt. Der Rückweg gerät zum Spaziergang, schließlich geht es jetzt überwiegend bergab. Die frische Luft trägt zur Erholung bei, gerade bin ich sehr froh dass es mal leiser ist. Ein Kinderdorf ist nett anzusehen. Mit dem Minibus geht es dann zügig wieder in die Großstadt, an der amerikanischen Botschaft und am Nationalmuseum vorbei, zum Stadion. Ein kleiner Fußmarsch, dann kehren wir in einer Bar ein. Zwei Bier, eine Injera-Platte für 60 Birr – 2,30€. Diesmal fahren wir mit dem richtigen Bus Richtung Heimat. Auf der Busfahrt habe ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Äthiopier, er hat einen motorradfahrenden Freund aus Deutschland und erzählt mir ein wenig über Addis Abeba, das schnelle Wachstum der Stadt, den Metrobau, den Bauboom usw. Sehr interessant. |
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Heute lasse ich es etwas ruhiger angehen. Bericht schreiben, Fotos
sortieren. Die bisherigen Erlebnisse setzen lassen. Auf meinem linken Arm
sind 4 oder 5 Mückenstiche. Der Tag plätschert dahin, ich lese ein wenig und
am Nachmittag fahren wir alle einkaufen. Später muss Frank nochmal in die
Botschaft, es ist ein Container mit Paketen angekommen, der muss ausgeräumt
und verteilt werden. Frank hat auch so an die 150kg Pakete mit Lebensmitteln,
Weihnachtsgeschenken und Altkleider erhalten. Ich kontrolliere mit ihm
zusammen die Lebensmittellieferungen, ein Grundstock an Vorräten für das
nächste Viertel Jahr. 36 Gläser Marmelade und solche Größenordnungen. Ein
wenig Smalltalk und der Tag ist vorbei. Ein Jägermeister als Betthupferl und
dann gute Nacht.
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Freitag, 29. November 2013
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Wer einen Beitrag kommentieren möchte der müßte meiner Meinung nach den Post aufrufen (Überschrift klicken!). Unten sieht man dann ein Kästchen Kommentar und einen Button veröffentlichen. Das sollte klappen.
Nationalmuseum und Entoto
Der Morgen ist recht entspannt. Ich greife mir Melkamu und schlage vor,
ins Nationalmuseum zu gehen. Die Fahrt dorthin ist relativ lang, es macht klar
wie großflächig die Stadt ist. Wir müssen mehrfach den Minibus wechseln bis wir
endlich da sind.
Minibusse sind Kleintransporter von Toyota, Mitsubishi usw. mit Platz für ca.
12 Passagiere. Wie viele Passagiere letztendlich im Bus transportiert werden
steht auf einem anderen Blatt Papier… Die Busse haben bestimmte Routen, Das
Ziel der Route steht wohl auf einem Schild am Bus. Allerdings nur auf
Amharisch, unsereins ist da aufgeschmissen. Vielleicht käme ich mit englisch
weiter, aber Melkamu organisiert das alles für mich. Manchmal kämpft er wie ein
Löwe um die besten Plätze. Die Busse halten auf ihrer Route offensichtlich nach
Belieben: Wenn einer raus will, sagt er das an, wenn einer rein will, winkt er
kurz. Alle Minibusse haben irgendwelche Jesusbildchen auf der Frontscheibe und
auf der Scheibe vorm Tacho, auf der Heckscheibe prangen so nette Sprüche wie
„In God we trust“. Man bewegt sich also eher mit Gottes Hilfe durch das
Verkehrsgewühl als mit Hilfe irgendeiner Straßenverkehrsordnung die eh nicht
eingehalten wird.Auf dem Weg bekomme ich das Stadion gezeigt, Wie am Vortag schon sehe ich viele, viele Läden und jede Menge Straßenverkäufer. Ich gewöhne mich etwas an das Bild. Ab und zu tauchen auch völlig elende Gestalten auf, amputierte Gliedmaßen usw. Aber ich bekomme immer wieder gesagt, nicht darauf zu reagieren. Sonst hat man sie allesamt an der Backe.
Das Nationalmuseum beherbergt Lucy, das älteste menschl. Skelett. Bzw. eine Teilmenge des Skeletts- Darüber wird der geschichtliche Bogen geschlagen bis in die Neuzeit, alle Monarchen von Äthiopien. Insbesondere Haile Selassie, er ist offensichtlich der verehrteste von allen. Er ist nebenbei der Messias der Rastafari..
Zunächst bewegen wir uns die Straße entlang zu einem geeigneten Stellplatz Platz, an dem den Minibus besteigen kann. Auf dem Weg dorthin besuchen wir den Löwenzoo. Dort wurde zu Kaisers Zeiten die kaiserlichen Löwen gehalten. Die Gehege sind aber alles andere als schön anzusehen, die vorhandenen Tiere vegetieren mehr dahin als dass sie artgerecht gehalten würden. Es gibt dort noch einige Affen und Vögel zu sehen, aber es macht keinen Spaß. Die Käfige sind immer wieder zusammen geflickt und sehen einfach erbärmlich aus. Somit fällt der Besuch recht kurz aus.
Der Minibus kann nur im ersten Gang fahren. Der Bus muß eine Serpentinen hochfahren und bietet einige tolle Ausblicke auf die Stadt. Die Straße ist gefüllt von Menschen, die in den umliegenden Eukalyptuswäldern die vertrockneten Blätter aufgesammelt und als Brennstoff in der Stadt verkaufen wollen. Einige Frauen tragen auch schwere Rollen aus Zweigen auf dem Rücken, die Rollen sind durchaus 2,5 m breit.
Oben steht die Kirche Entoto Maryam Church. Sie war wohl Sitz von Kaiser Menelik. Ganz nett anzusehen aber für meine Begriffe wird dort oben für Äthiopische Verhältnisse ein deutlich zu hoher Eintritt verlangt, zumal ich das Museum nicht unbedingt sehen möchte. Es dreht sich dort darum, dass Kaiser Menelik II einen Herrschaftssitz hatte, seine Frau wollte runter ins Tal, was der Beginn der Stadt Addis Abeba war.
Ein kurzes Foto von der neben dem Palast stehenden 8-eckigen Kirche und dann gehen wir etwas an der asphaltierten Straße weiter. Der Verkehr beschränkt sich auf einige Fußgänger. Selbst hier oben versuchen die Leute noch irgendwas zu verkaufen, meist Obst oder Gemüse, aber auch Plastikeimer, Tücher, oder Kaffee. Die Behausungen sind ärmlich, meist aus Wellblech, aber auch einige aus Lehm. Dafür haben die meisten Bewohner dort Gärten, in denen sie versuchen irgendwas anzupflanzen. Wir kommen an einem Feld vorbei, das Getreide sieht fast aus wie Gerste, das ist Teff, woraus ja Injera hergestellt wird. Thuja und eine kamilleähnlich duftende Pflanze fallen mir noch auf. Am Ende sehen wir die Kirche St. Raguel, auch hier wollen die Leute heftigen Eintritt haben. Der Tourismus macht die Preise kaputt. Der Rückweg gerät zum Spaziergang, schließlich geht es jetzt überwiegend bergab. Die frische Luft trägt zur Erholung bei, gerade bin ich sehr froh dass es mal leiser ist. Ein Kinderdorf ist nett anzusehen. Mit dem Minibus geht es dann zügig wieder in die Großstadt, an der amerikanischen Botschaft und am Nationalmuseum vorbei, zum Stadion. Ein kleiner Fußmarsch, dann kehren wir in einer Bar ein. Zwei Bier, eine Injera-Platte für 60 Birr – 2,30€. Diesmal fahren wir mit dem richtigen Bus Richtung Heimat. Auf der Busfahrt habe ich ein sehr nettes Gespräch mit einem Äthiopier, er hat einen motorradfahrenden Freund aus Deutschland und erzählt mir ein wenig über Addis Abeba, das schnelle Wachstum der Stadt, den Metrobau, den Bauboom usw. Sehr interessant.
Nach dem Museum habe ich einen Besuch bei der Entoto Maryam Church
angemeldet. Melkamu schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, ich verstehe noch
nicht, wieso.
Entoto Maryam Church ist eine
orthodoxe Kirche oben auf dem Berg. Entoto ist ein langer Bergrücken nördlich von Addis, etwa 3000 m
hoch. Die Fahrt dorthin habe ich mir deutlich kürzer vorgestellt, auf der Karte
sieht das ziemlich nahbei aus, es ist aber ziemlich weit und der Höhenunterschied
beträgt doch 700m. Deshalb hat Melkamu auch so entsetzt reagiert. Zunächst
passieren wir jede Menge Klamottenstände und Läden, Irgendwo dort ist auch die
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, ein sehr sauberer und
gepflegter Prachtbau. Später kommen immer einfachere Wohnhäuser und dann
Eukalyptuswald- Entoto war wohl früher gut bewaldet. Die Menschen von Addis
Abeba haben aber so viel Brenn- und Bauholz gebraucht, dass der Wald ruckzuck
keiner mehr war. Die Stadt beschloss Ende des 19.Jhdts. eine Wiederaufforstung
mit Eukalyptus weil der Baum schnell wächst. Das ging aber nach hinten los. Der
Baum hat eine breitgefächerte Wurzel, aber erst in knapp 1 m Tiefe, außerdem braucht der Baum viel Wasser.
Er entzieht dem Unterholz das Wasser, es geht kaputt, die Oberfläche liegt
brach da und ist also der Erosion preisgegeben. Als nächstes liegt die Wurzel
frei, der Baum geht kaputt. Das kann man da oben sehr gut nachvollziehen.
Donnerstag, 28. November 2013
Mercato, diesmal ausführlich, 2.Tag
Schlafen bis 8 ist ok. Danach ist das Zimmer sonnendurchflutet. Trotz
der Vorhänge. Ich habe ein wenig Sonnenbrand von dem Spaziergang gestern.
Heißt: Die Sonne hier ist intensiv und ich muss unbedingt daran denken
entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Winter ade!!
Nach dem Frühstück beschließe ich wieder rauszugehen – natürlich mit Melkamu im Schlepptau. Heute soll es nach Addis Abeba rein gehen, Melkamu schlägt ohne mit der Wimper zu zucken Mercato vor. Vorher gehen wir noch ein wenig durch die Stadt. Irgendwas Russisches, vermutlich deren Botschaft und einige andere Gebäude, aber eigentlich nichts wirklich Sehenswertes. In Addis ist es staubig, alle Häuser haben die sandbraune Farbe, wenig Abwechslung. Was sofort auffällt. Es gibt kaum Unterteilung in Wohnen und Kaufen. Überall wird versucht zu verkaufen, überall stehen Schuhputzer, überall sind kleine Läden. Das sind Hütten von 4 – 6 qm Größe. Manche verkaufen Dinge des täglichen Bedarfs, manchmal sind Shops dabei, bei denen ich denke, ob die überhaupt mal irgendwann einen Geschäftsabschluss tätigen. Draußen auf der Straße wird ein Sofa zusammengezimmert, einen Sessel in dem Design gibt es schon. Natürlich dauert es etwas bis so ein Sofa fertig ist, der Sessel verstaubt und vebleicht inzwischen halt.
Nach dem Frühstück beschließe ich wieder rauszugehen – natürlich mit Melkamu im Schlepptau. Heute soll es nach Addis Abeba rein gehen, Melkamu schlägt ohne mit der Wimper zu zucken Mercato vor. Vorher gehen wir noch ein wenig durch die Stadt. Irgendwas Russisches, vermutlich deren Botschaft und einige andere Gebäude, aber eigentlich nichts wirklich Sehenswertes. In Addis ist es staubig, alle Häuser haben die sandbraune Farbe, wenig Abwechslung. Was sofort auffällt. Es gibt kaum Unterteilung in Wohnen und Kaufen. Überall wird versucht zu verkaufen, überall stehen Schuhputzer, überall sind kleine Läden. Das sind Hütten von 4 – 6 qm Größe. Manche verkaufen Dinge des täglichen Bedarfs, manchmal sind Shops dabei, bei denen ich denke, ob die überhaupt mal irgendwann einen Geschäftsabschluss tätigen. Draußen auf der Straße wird ein Sofa zusammengezimmert, einen Sessel in dem Design gibt es schon. Natürlich dauert es etwas bis so ein Sofa fertig ist, der Sessel verstaubt und vebleicht inzwischen halt.
Zwischendurch trinken Melkamu mal einen Tee bzw. Kaffee und wir teilen
uns so etwas wie einen Berliner. Als wir dann weitergehen erreichen wir den Mercato.
Wer sich jetzt so etwas wie Marktstände vorstellt ist falsch gewickelt.
Offensichtlich kommt es darauf an, wie viel der Verkäufer in seinen „Laden“
stecken mag. Das geht von einem kleinen Geschäft mit ordentlicher Ausstattung,
kann immer kleiner werden., runter zur Wellblechhütte, dann kommen Holzgestelle
mit Planen, die durch die UV-Strahlung bereits völlig durchlässig sind bis zu
den armseligen Gestalten, die ihr Obst oder Gemüse oder sonst etwas einfach nur
in den Staub legen und hoffen dass irgendjemand das abkauft. Auch die Lage geht
von gemauertem Geschäft, Markthalle, in allen erdenklichen Nuancen runter bis
zur wirklich unhygienischsten Ecke die ich je in meinem Leben gesehen habe. Es
stinkt dort zum Gotterbarmen nach Fäulnis und Kloake und ich bin froh als wir
da durch sind. Das Angebot lässt sich nicht beschreiben oder abgrenzen – es
gibt einfach alles. Der Mercato unterteilt sich in verschiedene Angebotszonen:
Hier gibt es nur Schuhe, gleich daneben nur Stoffe, später Mode, eine Reihe
Stände bzw. Geschäfte haben nur Teppiche, Woanders befindet sich nur
Elektronik, wieder woanders nur Haushaltswaren. Autozubehör, Kompressoren,
Eisenwaren, Bücher, Zeitschriften, usw. Das Angebot ist größtenteils Chinaschrott,
davon etwas zu kaufen bedeutet das Geld zum Fenster rausgeschmissen zu haben.
Ich habe die ganze Zeit kaum beobachtet, dass jemand überhaupt etwas gekauft hat. Irgendwie liegt das ganze Zeug da und findet keine Abnehmer. Aber: Es ist da. Seltsam. Myriaden von Menschen, Myriaden von Artikeln, keine Geschäftstätigkeit. Die Leute laufen an den Geschäften vorbei und interessieren sich kaum, die Geschäftsläute versuchen ständig die vorbeiströmenden uninteressierten Menschen anzusprechen und irgendwie kommen die nicht zusammen. Offensichtlich ist der Begriff Marketing ein Fremdwort. Schöne Auslage? Ein hübsches Geschäft? Nichts davon. Das alles ist ein einziges Chaos. Ein einziges Rätsel.
Ich habe die ganze Zeit kaum beobachtet, dass jemand überhaupt etwas gekauft hat. Irgendwie liegt das ganze Zeug da und findet keine Abnehmer. Aber: Es ist da. Seltsam. Myriaden von Menschen, Myriaden von Artikeln, keine Geschäftstätigkeit. Die Leute laufen an den Geschäften vorbei und interessieren sich kaum, die Geschäftsläute versuchen ständig die vorbeiströmenden uninteressierten Menschen anzusprechen und irgendwie kommen die nicht zusammen. Offensichtlich ist der Begriff Marketing ein Fremdwort. Schöne Auslage? Ein hübsches Geschäft? Nichts davon. Das alles ist ein einziges Chaos. Ein einziges Rätsel.
Auf dem Rückweg mit Minibus und Dreiradtaxi gibt es noch 2 Bier,
schließlich haben wir den ganzen Tag außer einem kleinen Kaffee und einen
kleinen Tee nichts getrunken.
Temperatur: Irgendwo 23 – 25 Grad, ein lauer Wind. Für mich Sommer halt…
Zu Hause angekommen gibt es Injera, diesmal mit Spinat oder Möhrengemüse
während des Essens springt der Strom wieder an. Wenn der Strom fehlt scheint es
keinen wirklich zu jucken. Mich schon: Die Akkus meiner Gräte leeren sich natürlich.
Aber Stromausfälle sind Standard.
Ich sitze grad auf dem Balkon, die Geräuschkulisse ist enorm, weil sich
mit Strom natürlich noch schnell etwas schaffen lässt. Eine Kreissäge jault
irgendwo ein paar Häuser weiter. Die Sonne kommt herum und ich genieße die
Wärme. Dabei stelle ich mir grad vor wie es auf Meereshöhe sein muss, wenn die
Sonne hier auf 2300 m Höhe schon brät… Sogar einige Äthiopierinnen laufen hier
mit einem Schirm herum
Es ist halb 4 und die Schüler kommen nach Hause. Manche mit
Schuluniform, manche nicht. Ich hab da noch kein System erkannt. Es heißt, dass
Schuluniformen Pflicht sind.
So, noch ein wenig
ausspannen und dann den Feierabend einläuten. Morgen gibt es das National
Museum, Lucy – das älteste menschenähnliche Skelett ist dort ausgestellt. Das
Naturkundemuseum tät mich noch interessieren und evtl. noch eine Kirche. Mann bin ich kaputt! Es ist neun / halbzehn als wir beschließen den Feierabend einzuläuten. In D ist es erst 19 – 19:30 Uhr…
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